Propolis

Propolis

Propolis

 

Bei Propolis handelt es sich um eine harzartige Substanz, die von Bienen hergestellt wird. Sie dient der Abdichtung des Bienenstocks gegen Keime und enthält antimykotische, antibakterielle und antivirale Wirkstoffe. Propolis findet sich daher insbesondere am Einflugloch, in Ritzen des Stocks sowie als Verkleidung für die Waben. Durch seine Eigenschaften schützt es den Bienenstock vor Keimen und wirkt zudem abdichtend, da es wasserabweisend ist.1, 7

Geschichte

Propolis hat eine lange Geschichte als Gesundheitsprodukt, die mindestens bis in die Zeit der Alten Ägypter zurückreicht. Aufgrund seiner konservierenden Eigenschaften wurde sie damals zur Herstellung von Mumien verwendet. Weitere Belege für eine historische Anwendung finden sich beispielsweise in griechischen Schriften, aus denen auch die Namensgebung stammt, sowie in römischen und persischen Dokumenten. Zumeist wurde Propolis zur Wundbehandlung, gelegentlich auch als Mittel gegen Erkältungskrankheiten verwendet. Heutzutage wird sie gewonnen, indem Imker Zwischenrähmchen mit Gitternetz einsetzen. Diese werden von den Bienen verkittet. Bei Entfernung der Beuten kann sie geerntet werden, indem die Gitter eingefroren und die Propolisschichten herausgeklopft werden.2, 3

Die Inhaltsstoffe von Propolis

Propolis enthält keine einheitliche Wirkstoffzusammensetzung. Das liegt darin begründet, dass sie von Bienen aus sehr unterschiedlichen pflanzlichen Komponenten wie natürlichen Harzen zusammengesetzt wird, die je nach Jahreszeit und vorhandener Vegetation stark variieren können. Daher wurden bislang insgesamt ca. 150 Stoffe in verschiedenen Propolisproben identifiziert. Zu den häufig enthaltenen Stoffklassen gehören unter anderem:

- Wachse
- ätherische Öle
- Harze
- verschiedene Zucker
- Flavonoide und Anthocyane (zählen zu den pflanzlichen Farbstoffen)
- Pollen
- aromatische und aliphatische Säuren und deren Derivate (z. B. Benzoesäure)
- Alkohole
- Terpene

 

Die genaue Propolis Zusammensetzung lässt sich hier nachlesen.

Insbesondere die Säuren, Harze, ätherischen Öle und Farbstoffe stehen im Ruf, antimikrobielle Wirkungen zu besitzen, die den Nutzen von Propolis ausmachen.3, 4, 5, 10

Welche Wirkung hat Propolis?

Bei der Wirkung von Propolis ist entscheidend, ob sie als Medizinprodukt in entsprechend kontrollierter, hochwertiger Form oder als Nahrungsergänzungsmittel genutzt werden soll. Für letzteres, zumeist oral eingenommen und zur Immunsteigerung beworben, existieren keinerlei Wirknachweise. Anders sieht es bei der Verwendung als Arzneimittel aus. Die möglichen Anwendungsgebiete betreffen in erster Linie entzündliche Hauterkrankungen und -verletzungen sowie eine vorbeugende Pflege. Auch bei entzündlichen Erkrankungen der Schleimhäute, beispielsweise von Mund, Nase, Hals, Magen, Harn- oder Atemwegen, kommt eine Anwendung infrage, sollte jedoch stets mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. In allen Fällen kommt eine Wirkung durch die unterschiedlichen keimtötenden Stoffe zustande. Zusätzlich besitzen einige Inhaltsstoffe einen heilungsfördernden Effekt.

Wenig belegt ist hingegen die Aussage, dass Propolis generell immunsystemstimulierend wirke - hier liegen noch keine eindeutigen Studienergebnisse vor. Auch ein positiver Effekt im Einsatz gegen weitere Erkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck, Krebs oder Rheuma konnte bislang nicht bestätigt werden. Eine antioxidative Wirkung konnte zwar in einigen Untersuchungen nachgewiesen werden, jedoch ergab sich daraus bislang kein konkreter Vorteil für den menschlichen Organismus.1, 5, 7, 11

Wie wird Propolis angewendet?

Je nach Zweck kann Propolis oral oder topisch, also von außen, angewendet werden. Einige Quellen empfehlen, dass das Propolis vorher besonders stark zerkleinert werden sollte, um eine bessere Wirkstoffaufnahme zu gewährleisten. Für die orale Einnahme stehen beispielsweise folgende Formen zur Verfügung:

- Sirup (mit Honig gemischt)
- Mundspray
- Tinkturen
- Kapseln mit Pulver

Produkte zur Anwendung im Mund können zumeist zwei- bis dreimal täglich angewendet werden. Bei Produkten zur Einnahme ist eine Dosierempfehlung schwierig, da bislang kein gesundheitlicher Nutzen beim Menschen beobachtet wurde. Generell gilt jedoch, dass die auf der Verpackung angegebene Dosierung keinesfalls überschritten werden sollte.

Salben, Cremes und Tropfen zur Wundbehandlung werden zumeist ebenfalls zwei- bis dreimal am Tag auf die Verletzung aufgetragen. Generell sollte Propolis nicht auf offenen Wunden benutzt und auch hier der Beipackzettel beachtet werden. Bei Unsicherheiten kann ein Arzt oder Apotheker beratend zur Seite stehen.

Auf eine innerliche Anwendung bei Hund und Katzen sollte - auch aufgrund der Allergiegefahr - verzichtet werden. Kleine äußere Verletzungen können jedoch nach Absprache mit dem behandelnden Tierarzt ähnlich wie bei Menschen mit propolishaltigen Heilsalben behandelt werden. Wie bei allen medizinisch wirksamen Substanzen ist es wichtig, darauf zu achten, dass das Produkt nicht vom Tier abgeleckt wird.8, 9, 12

Was sollte beim Kauf beachtet werden?

Propolis sollte unter keinen Umständen von Bienenallergikern verwendet werden, da es zu schweren Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen kann. Auch andere, insbesondere allergiesensitive Personen sollten den Wirkstoff zunächst an einer kleinen Körperstelle testen und die Reaktion ausreichend lange beobachten. Insgesamt reagieren schätzungsweise 4,2 Prozent der Gesamtbevölkerung allergisch auf Propolis. Schwangere sollten auf den oralen Konsum verzichten.

Aufgrund möglicher Belastungen mit toxischen Pyrrolizidinalkaloiden sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass das Produkt auf das Vorhandensein dieser getestet wurde - gegebenenfalls kann dazu der Hersteller kontaktiert werden. Das gilt insbesondere für Propolis, die außerhalb von Westeuropa geerntet wurde.6, 9, 12


1. Shahin Gavanji et al. (2015), Comparative effect of propolis of honey bee and some herbal extracts on Candida Albicans, Chinese Journal of Integrative Medicine, S. 1-7, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11655-015-2074-9

2. Werner Golder (2004), Propolis - das Kittharz der Bienen im Schrifttum der Antike, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. 23, S. 133-145

3. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, abgerufen 14.08.2019,
https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/propolis.pdf

4. Peter Nuhn (2006), Naturstoffchemie: Mikrobielle, pflanzliche und tierische Naturstoffe, 4., neu bearb. Auflage, Hirzel S. Verlag, Stuttgart, ISBN 3-7776-1363-0.

5. Propolis: "Bioantibiotikum" mit vielen Anwendungsmöglichkeiten (2005), Deutsche Apothekerzeitung, Nr. 30, S. 32,
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2005/daz-30-2005/uid-14343

6. Suzan Fiack (2016), Verunreinigungen in Tees und Honig sind die Hauptaufnahmequellen für Pyrrolizidinalkaloide, Informationsdienst Wissenschaft (IDW)
https://idw-online.de/de/news660016

7. Verbraucherzentrale (2018), Propolis für ein stärkeres Immunsystem?
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/propolis-fuer-ein-staerkeres-immunsystem-21056

8. Beegut, Alles was du über die Einnahme & Dosierung von Propolis wissen musst, abgerufen 14.08.2019
https://beegut.de/pages/propolis-einnahme-dosierung

9. Benjamin Clanner-Engelshofen (2017), Propolis
https://www.netdoktor.de/medikamente/propolis/

10. Hermann Ammon (2004), Hunnius pharmazeutisches Wörterbuch, 8. Auflage, de Gruyter, Berlin, ISBN 3-11-015792-6

11. E. Teuscher (1997), Biogene Arzneimittel, 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 199, ISBN 3-8047-1482-X

12. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2008), Einschätzung von Propolis und Gelée Royale, Aktualisierte Stellungnahme. Nr. 002/2009,
https://www.bfr.bund.de/cm/343/einschaetzung_von_propolis_und_gelee_royal.pdf